Alles für einen guten Zweck

von Emilie Mai, Carolina Schmidt, Clara Benfer aus der Klasse 9c des Goethe-Gymnasium

Ein kleiner Laden mit großer Wirkung: Oxfam in Bockenheim.

Foto: Oxfam


Auf der Leipziger Straße in Bockenheim reiht sich ein Geschäft ans andere. An der U-Bahn-Haltestelle präsentiert ein Obstverkäufer seine Ware, Jugendliche kommen mit riesigen Tüten aus dem Outlet eines Versandhändlers. Einige ältere Leute sitzen auf den Bänken und scheinen den Tag vorbeiziehen zu lassen. Und dann ist da zwischen Boutiquen und Drogeriemärkten ein kleiner Laden, der anders wirkt als die anderen. Oxfam steht in weißen Lettern auf grünem Untergrund. 

Alle arbeiten ehrenamtlich

Alle Mitarbeiterinnen in diesem Shop sind sehr freundliche Damen im Rentenalter, die gerne Fragen beantworten. Sie arbeiten allesamt ehrenamtlich. Sie sagen, die Arbeit mache ihnen Spaß. Und sie finden es wichtig, sich für ein solches Projekt zu engagieren, um damit weltweit gemeinnützige Projekte zu unterstützen. Auf die Frage, woher der Name des Ladens komme, berichten sie, dass Oxfam im Jahr 1942 von vier Engländern und einem Deutschen in Oxford angesichts der durch den Zweiten Weltkrieg ausgelösten Hungersnot im von Deutschen besetzten Griechenland gegründet wurde. Also nannten sie ihre Organisation entsprechend „Oxford Committee for Famine Relief“, übersetzt: „Komitee zur Linderung der Hungersnot“, woraus die Kurzform Oxfam später zum Namen der Organisation wurde. Nach dem Krieg wurde sie weiter geführt, um den Hunger auch in Deutschland und später in weiteren Ländern zu bekämpfen. Um das zu erreichen, wurde im Laufe der Jahre ein System von Secondhand-Läden entwickelt. 

Ware wird komplett gespendet

Einer dieser Läden ist der in Bockenheim. Dort finden sich hauptsächlich Kleidung und Accessoires. Alles ist nach Farben und Marken geordnet. Aber woher kommt diese Vielfalt an Ware? Alles werde gespendet, berichten die Mitarbeiterinnen. Immer wieder kämen Leute aus der Umgebung und brächten ihnen Anziehsachen, die sie nicht mehr trügen. Bei der Annahme müsse aber auf bestimmte Kriterien geachtet werden: Zustand der Sachen, Sauberkeit und Marke. Wenn mindestens zwei Drittel der Kleidung die vorgeschriebenen Kriterien erfüllen, das heißt in einem guten Zustand sind und nahezu direkt im Laden verkauft werden können, dann wird die Spende behalten. Aber was passiert dann mit der Kleidung, die aussortiert und nicht im Laden verkauft wird? Sachen, die im Laden innerhalb von drei Wochen nicht verkauft worden sind, werden an lokale Sozialkaufhäuser oder Beschäftigungsprojekte weitergegeben. Ein Teil der Kleidung wird aber auch an Textilrecycling-Firmen verkauft. 

Oxfam unterstützt Menschen in Krisengebieten

Was mit diesem Konzept erreicht werden soll, ist, dass gebrauchte Kleidung nicht in Massen in arme Länder exportiert wird und dort die lokalen Märkte zerstört. Oxfam macht mit den Läden nach eigenen Angaben jährlich einen Umsatz von ungefähr 14 Millionen Euro, 20 Prozent der Einnahmen werden in die Verwaltung und beispielsweise Mieten der Shops investiert. Die übrigen 80 Prozent werden gespendet. Oxfam unterstütze damit Menschen in Krisengebieten wie zum Beispiel in Flüchtlingslagern. Ein Ziel der Spenden ist es, Menschen in armen Regionen der Welt dabei zu unterstützen, sich auf lange Sicht selbst aus der Armut zu befreien, wie es in Informationsmaterialien der Organisation heißt. Oxfam unterstützt beispielsweise Kampagnen wie „Fairnesseintüten“, deren Motto lautet: „Was hier in den Super-marktregalen landet, soll vor Ort unter fairen Bedingungen hergestellt werden.“ Diese Kampagne soll vermitteln, dass Lebensmittel aus ethischen Quellen stammen sollten. In der Regel sind die Spender, die Kleidung, Bücher oder andere Waren in die Läden bringen, offenbar eher wohlhabend und bringen viele Teile namhafter Produzenten in den Laden. So verwundert es nicht, dass für die gebrauchte Ware auch manchmal ein wenig mehr Geld über den Tresen geht, allerdings immer noch ein Bruchteil dessen, was für Neuware bezahlt werden muss. 

Und so schließt sich der Kreis: Märkte in den Nehmerländern werden nicht mit Kleidung geflutet, Ressourcen durch den Secondhand-Verkauf geschont, und der eine oder andere kann für kleines Geld ein ansonsten teures Stück erstehen.