Alles fürs Leben ohne Abfall

von Timothy Dock, Marlene Marschas, Isabella Matthes, Lisa Richter, Era Shatrolli und Laura Jeffrey aus der 9d des Goethe-Gymnasiums

Wer Verpackungsmüll vermeiden möchte, muss schon beim Einkaufen aufpassen. Ein Frankfurter Laden will seinen Kunden dabei helfen.

Foto: Gramm.Genau


Unverpackt-Läden gelten als mögliche Alternativen zum herkömmlichen Einkaufen, um ein besseres Leben für die Umwelt zu führen. Ob es sich hierbei um Obst, Gemüse, Spülmittel, Mehl oder Gewürze handelt: Hauptsache ist, dass möglichst wenig Müll produziert wird. Aber hilft ein Einkauf ohne Verpackungen wirklich der Umwelt? Jenny Fuhrmann, eine der drei Inhaberinnen des Unverpackt-Ladens Gramm.Genau ist davon überzeugt. Das Grundprinzip der Unverpackt-Läden basiert auf der Zero-Waste-Philosophie, das bedeutet, dass das größte Ziel darin besteht, möglichst wenig Abfall zu produzieren und Rohstoffe nicht zu vergeuden. Das heißt also, dass Unverpackt-Läden ihre Ware ohne Einwegverpackung und so umweltfreundlich wie möglich verkaufen. Kunden können die Ware dabei in selbst mitgebrachte Behältnisse und Tüten abfüllen. Die Preise für die Produkte sind vergleichbar mit den Preisen in einem Bioladen, und die Verpackungskosten, wie sie in regulären Supermärkten anfallen, fallen hier weg. Trotzdem ist der Unverpackt-Laden immer noch teuer. 

Hauptsächlich haltbare und trockene Produkte

Zu dem Sortiment von Gramm.Genau gehören Lebensmittel, Haushaltsbedarf, Kosmetik sowie Hygieneartikel. Damit kommt der Laden auf etwa 300 Produkte. Das Angebot an Lebensmitteln fokussiert sich auf alles, was man zum Kochen, Frühstücken und Naschen benötigt, wie zum Beispiel Nudeln, Gewürze und Müsli. Allerdings sind in dem Lebensmittelsortiment hauptsächlich haltbare und trockene Produkte vertreten, kaum frische wie Obst und Gemüse. Die könne man ja auch ohne Verpackung im Gemüseladen oder auf dem Markt in der Nähe kaufen, begründet Jenny Fuhrmann das. Einen kompletten Wocheneinkauf könne man nicht im Unverpackt-Laden erledigen, gibt die Einzelhändlerin unumwunden zu. Aber einen großen Teil schon. Hygiene- und Haushaltsbedarf, wie beispielsweise flüssige Reinigungsmittel, sind abfüllbar.

Workshops, um ein Deo selbst zu machen

An Kosmetikprodukten sind Zahnbürsten aus Bambus, Zahnputztabletten sowie festes Shampoo, das einem normalen Seifenstück ähnelt, erhältlich. Auch mit anderen Produkten wollen die Betreiber des Ladens ihren Kunden helfen, ihr Leben auf „Zero Waste“ umzustellen. So gehören beispielsweise wiederverwendbare Trinkflaschen und Behältnisse, um die Produkte zu transportieren, zum Sortiment. Außerdem sind Bücher und Zeitschriften zum Thema „Zero Waste“ im Alltag und über die Herstellung eigener Produkte verfügbar. Wem das nicht reicht, dem bietet das Team des Ladens Workshops an, in denen man lernen kann, zum Beispiel sein Deo selbst herzustellen. Großen Wert legt das Team auch darauf, dass alle Produkte Bioqualität haben. Deshalb ist ein Großteil der Waren von Hand produziert und enthält keine Zusatzstoffe. Die meisten Produkte sind zudem kaum verarbeitet. Deshalb, so Jenny Fuhrmann, könne man sagen, dass die Produkte besser und natürlicher schmecken. Das Grundkonzept, auf Verpackungen zu verzichten, soll vor allem helfen, nicht noch mehr Plastik zu produzieren. Darum wird nicht nur auf nachhaltige Verpackung geachtet, sondern alle Gegenstände im Laden sind wiederverwertbar. 

Ein Befülldienst liefert nach Hause

Das Hauptziel der Unverpackt-Läden ist es, bei der Auswahl der Produkte genau darauf zu achten, dass sie so verpackungsfrei wie möglich und leicht zu transportieren sind. Das Team des Gramm.Genau-Ladens kauft bei verschiedenen Großhändlern ein, um alle Bioprodukte möglichst regional zu beziehen. Um den verpackungsfreien Transport zu ermöglichen, werden große Pfandbehälter verwendet, in denen die Waren hin- und hergeschickt werden. Ist es bei einem Produkt jedoch nicht möglich, es ganz ohne Verpackung zu transportieren, werden Mehrweg-oder recycelbare Verpackungen eingesetzt, bei denen dann am Ende kein Müll entsteht. 

Neben strengen Hygienevorschriften und –Kontrollen vom Ordnungsamt gibt es bei Gramm.Genau auch einen geschulten Befülldienst. In der kritischen Quarantäne-Lage kommt das sehr gelegen, denn der Laden bietet derzeit auch einen Lieferdienst nach Hause an. Dieser verpackt die Waren mit entsprechender Schutzkleidung wie zum Beispiel Handschuhen. Der Befülldienst steht besonders denjenigen zur Verfügung, die ihre Waren im Internet bestellt haben und nur noch mit eigenen Behältern abholen. Diese Methode ist für Alleinlebende oder ältere Menschen hilfreich, denn sie bestellen nur das, was sie am Ende dann auch brauchen. Damit soll Lebensmittelverschwendung vermieden werden. Während die Kunden auf den Befülldienst warten, können sie die Zeit damit verbringen, indem zum Laden gehörigen Zero-Waste-Café zu Mittag zu essen oder sich Kaffee und Kuchen zu gönnen. Auch im Café gilt die Devise: So müllarm und ressourcenschonend wie möglich. Daher gibt es im Sinne einer möglichst guten Ökobilanz auch stets vegane Angebote. 

Ware aus der Region

Das Zero-Waste-Leben kann zu Beginn kompliziert oder ganz und gar unmöglich erscheinen, doch wird es durch Unverpackt-Läden um einiges erleichtert. Momentan kann es noch recht schwierig sein, komplett auf Plastik und Verpackungen zu verzichten, vor allem da es noch nicht genug Unverpackt-Läden gibt. Besonders für Menschen, die nicht in der Stadt wohnen, kann es schwer werden, eine solche Einkaufsmöglichkeit zu finden. Läden wie Gramm.Genau sind jedoch ein wichtiger Schritt hin zu einem nachhaltigen und umweltfreundlichen Leben. Außerdem sind die meisten Produkte regional und biologisch angebaut, was für viele Verbraucher ein wichtiger Punkt ist. Laut Jenny Fuhrmann, hängt die Durchsetzung dieses Prinzips davon ab, wie sehr wir uns als Verbraucher und Bürger politisch dafür einsetzen, um eine Veränderung zu bewirken. Wenn es möglich ist, sollte man also definitiv über den Besuch eines Unverpackt-Ladens nachdenken und sich selbst von der Auswahl an Produkten überzeugen lassen.