Ein Frühstück für 50 Cent

von Klasse 7ac, Kaiserin-Friedrich-Gymnasium, Bad Homburg

Den Franziskustreff in der Frankfurter Liebfrauengemeinde gibt es seit 30 Jahren. Unsere Klasse hat sich vor Ort umgeschaut, wie das Frühstück für Obdachlose organisiert ist und welche Gäste kommen. 


Ein Obdachloser liegt von einer schmutzigen Decke bedeckt in der B-Ebene der U-Bahnstation Hauptwache in Frankfurt, als ihm ein älterer Mann eine Tüte Essen bringt. Unsere Klasse steigt gerade die Treppen zur Hauptwache hinauf – auf dem Platz herrscht hektisches Treiben. Wir begegnen noch einem anderen Obdachlosen, der uns um Geld für Essen bittet. Dabei schüttelt er seinen leicht gefüllten Plastikbecher. Wir befinden uns auf dem Weg zum Franziskustreff in der Liebfrauengemeinde. Als wir aus der belebten Einkaufsstraße in den ruhigen Innenhof treten, überkommt uns ein Gefühl der Ruhe.

Links von uns befindet sich das Kloster, in dem sich der schmale Frühstücksraum für die Gäste befindet. Es gibt Tische für jeweils zwei Personen und es duftet gut nach Kaffee und Brötchen. Man hört zwischendurch die Glocken der Kirche nebenan. Auf der rechten Seite ist ein überdachter Bereich. Unter diesem stehen Tische voller brennender Kerzen, deren Wärme vom Wind zu uns getragen wird. Im Innenhof empfängt uns Bruder Michael. Er hat kurze blonde Haare, trägt eine Brille mit runden Gläsern und eine braune Mönchskutte. Wir werden freundlich von ihm begrüßt. Der 39-Jährige ist Ordensmann, Leiter des Franziskustreffs und lebt in der Klostergemeinschaft. Seine Motivation, den Franziskustreff zu leiten, ist es, den Regeln des Ordens treu zu bleiben. Zu einem Leben in der Klostergemeinschaft und als Ordensmann gehöre das Wirken mit Obdachlosen dazu. Bruder Michaels Tun ist geprägt von diesem Gedanken: „Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass Obdachlosigkeit ja wirklich die letzte Station ist vor dem Tod.“

Bis zu 180 Menschen frühstücken hier täglich

Gegründet wurde der Franziskustreff im November 1992 von Bruder Wendelin, seit sieben Jahren leitet Kapuziner-Bruder Michael Wies den Treffpunkt für arme und obdachlose Menschen in Frankfurt. Bis zu 180 Menschen besuchen den Franziskustreff normalerweise täglich, coronabedingt konnten vorübergehend nur 110 Menschen am Tag das Frühstücksangebot nutzen. Es sind überwiegend Männer, die zum Frühstück in den Franziskustreff kommen. Obdachlosigkeit sei davon geprägt, dass mehr Männer Hilfseinrichtungen dieser Art in Anspruch nähmen als Frauen, erläutert Bruder Michael diesen Umstand.

Seit 1997 wird im Franziskustreff nicht nur Frühstück für arme und wohnungslose Menschen, sondern auch Sozialberatung angeboten. Hinzu kommen Bibelgespräche, Bastelangebote, ein Sommerfest und eine Adventsfeier. Bruder Michael will durch diese Angebote erreichen, „dass die Gäste sich auch selber einbringen können“.

Die Gäste zahlen und werden bedient

Der Franziskustreff finanziert sich zu 100 Prozent aus Spenden. Das Frühstück, das an Werktagen und kirchlichen Feiertagen angeboten wird, kostet für die Gäste 50 Cent. Bruder Michael erläutert, dass damit nicht die tatsächlichen Kosten des Frühstücks gedeckt würden, vielmehr sei es ein symbolischer Beitrag: „Als der Gründer noch lebte, hat man sich verständigt, dass jeder seinen Beitrag leisten soll.“ Die Zahlung trage zum Begegnen auf Augenhöhe bei.

Insgesamt sind die Mitarbeiter des Franziskustreffs sehr sensibel im Umgang mit ihren Gästen. Sie leisten sehr viel mehr als die praktischen Arbeiten wie Kaffeekochen, Tischdecken oder das Vorbereiten von Frühstücksplatten. Sie bemühen sich um ein respektvolles Miteinander, was sich insbesondere darin zeigt, dass die Gäste – wie in einem richtigen Café – bedient werden.

Bei der Frühstücksausgabe ist den Mitarbeitern im Franziskustreff der Aspekt der Gerechtigkeit sehr wichtig. So bekommt jeder Gast die gleiche Menge auf seinen Frühstücksteller. Das ist auch deshalb bedeutsam, weil das Publikum im Franziskustreff sehr uneinheitlich ist. Bruder Michael: „Wir haben ein internationales Publikum, verschiedene Nationen, verschiedene Altersklassen.“

Er sieht es als eine Hauptaufgabe des Franziskustreffs an, die Gäste unabhängig von der Einrichtung zu machen. „Sie sollen ja nicht ewig bei uns in der Einrichtung verbleiben. Das wäre ja nicht das Ziel einer Integration.“

Ehrenamtliche Helferin sieht, was kleine Dinge bewirken können

„Wir kochen Kaffee, decken den Tisch, die Frühstücksplatten werden vorbereitet”, berichtet Maria, die seit 2020 hauptamtlich beim Franziskustreff mithilft. Sie ist viermal in der Woche von 6.20 Uhr bis 13.00 Uhr im Franziskustreff. Zwischen 80 und 100 Gästen kommen zurzeit täglich von 7.45 Uhr bis 11.15 Uhr und holen sich eine Frühstücksplatte. „Die Variationen sind einmal Wurstplatte, nur Käseplatte oder gemischte Platte. Manche wollen nur einen Teller mit Butter und Schmierkäse”, berichtet Maria K. In der Gastronomie war sie schon immer tätig. Für den Franziskustreff hat sie sich entschieden, weil sie denen helfen wollte, die es am nötigsten haben. 

Ähnlich ist auch die Intention einer ehrenamtlichen Helferin. „Es ist nicht die richtige Zeit, die Füße hochzulegen“, erklärt uns Frau Vidal ihre Motivation. Sie arbeitet seit März im Franziskustreff. Corona habe bei ihr zu einem Umdenken geführt. Zwar habe sie schon davor monatlich Geld an den Franziskustreff gespendet, doch könne sie nun auch sehen, was ihre und die Spenden anderer bewirken könnten. Der Franziskustreff ist stark auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Sie sorgen mit dafür, dass der Laden läuft. So ist auch der Beitrag von Frau Vidal wichtig, sie hilft immer montags der Sozialberaterin und führt mit Gästen Gespräche oder erledigt andere kleinere Aufgaben. Wenn sie hilft, könne sie immer sehen, wie viel schon kleine Dinge bewirken würden.

Wohnungsloser Christian: „Ich habe einfach Pech gehabt.“

Im Hintergrund plätschert der Brunnen. Eine leichte Note von Kaffee hängt in der Luft. Vor uns sitzt der 58-jährige Christian, der zu den etwa 3100 wohnungslosen Bürger*innen in Frankfurt gehört. Er erzählt uns seine berührende Geschichte. Seit 25 Jahren besucht er schon den Franziskustreff. Er habe ihn auch schon aufgesucht, als er noch eine Wohnung besessen habe, die er dann durch einen Streit mit seinen Nachbarn verloren habe. „Ich habe einfach Pech gehabt und dafür können die anderen ja auch nichts“, sagt er über die Ursachen seiner Situation. Christian präsentiert sich ruhig und gelassen, während er mehr über sein tägliches Leben erzählt. Normalerweise verbringt er seine Nächte am Eschenheimer Tor, kann aber auch eine wind- und regengeschützte Stelle aufsuchen, wenn es nötig ist. Durch das Leben auf der Straße ist er einigen Gefahren ausgesetzt. Er erzählt uns von einem Konflikt, bei dem ihm sein Rucksack gestohlen und er täglich angegriffen wurde. Er wünscht sich mehr als alles andere eine Wohnung und ein Leben unabhängig von Hilfen. Ein Teil seines Wunsches könnte sich erfüllen, da er wahrscheinlich bald eine Wohnung bekommt.

Kurze Zeit später verabschieden wir uns von Bruder Michael und treten von dem ruhigen Innenhof in die belebte Innenstadt. Auf dem Weg zur U-Bahn-Station sehen wir mehrere Obdachlose, die in der Innenstadt und der B-Ebene der Hauptwache sitzen. Die Menschen eilen an ihnen vorbei, ohne ihnen einen Blick zuzuwerfen.