Hilft Corona dem Klima?

von Jette Solbrig, Klara Stangner, Sophia Zislin, Klasse 8d, Gymnasium Riedberg

Die Klasse 8d hat mit Philipp Wolfrum vom Frankfurter Umweltamt und Rüdiger Hansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gesprochen.

Blick auf die Großstadt Frankfurt. Foto: HendoBe auf Pixabay.de


Seit über einem Jahr waren die Menschen aufgrund der Corona-Pandemie zu Hause wie eingesperrt. Einerseits sollte man meinen, dass dadurch viel CO₂ eingespart wurde, weil viele keinen Grund mehr hatten aus dem Haus zu gehen. Arbeit im Homeoffice, keine Treffen mit Freundinnen und Freunden, also auch kaum Abgase von Autos und Flügen. Andererseits shoppen jetzt viele online was das Zeug hält. Also hilft Corona dem Klima? Wir haben dazu Interviews mit Philipp Wolfrum vom Frankfurter Umweltamt und Rüdiger Hansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) geführt.

Wieso Corona der Umwelt hilft

„Die Feinstaub-Belastung ging stark zurück über die Jahre“, erzählt Philipp Wolfrum, der seit 2010 im Umweltamt im Bereich Emissionsschutz arbeitet. Der Grenzwert bei der Feinstaub-Belastung sei bereits seit 2012 im Tagesmittelwert nicht mehr überschritten worden. Somit habe Feinstaub schon lange vor der Corona-Pandemie kaum mehr ein Problem dargestellt. Dabei hätten vor allem die Umweltzonen geholfen, die 2008 eingeführt worden sind.

Ein viel größeres Problem würden hingegen auch heute noch die Stickoxide bereiten, die die Atemwege reizen. Diese seien über das letzte Jahr hinweg um rund 18% zurückgegangen. Das sei vor allem dem geringeren Verkehrsaufkommen zu verdanken, welches durch die Corona-Pandemie um etwa 30 bis 40% zurückgegangen sei. Herr Wolfrum berichtet weiter, dass 2020 erstmalig die Stickstoffoxidgrenzwerte vollständig und an allen Messstationen eingehalten worden seien und es insgesamt in Deutschland weniger Stellen mit Grenzüberschreitungen gegeben habe.

Was das Online-Shopping angeht, seien nicht mehr Schadstoffe durch die Paketlieferungen freigesetzt worden. Der Ausstoß habe sich sogar verringert – sehr wahrscheinlich liegt das auch daran, dass jetzt nicht mehr jeder einzelne mit dem Auto zum Einkaufszentrum hin und wieder zurückfährt, sondern ein Lieferwagen mit optimierter und möglichst kurzer Strecke die Lieferungen übernimmt. Der Ausstoß von Schadstoffen sei dadurch geringer geworden. Insgesamt gebe es ebenfalls eine CO₂-Minderung. Auch durch den sehr stark verringerten Flugverkehr, der in Frankfurt eine große Rolle spielt, seien im letzten Jahr viele Tonnen CO₂ eingespart worden. Im letzten Jahr ist der Flugverkehr alleine in Frankfurt aufgrund der Corona-Beschränkungen im Vergleich zum Vorjahr um 60% zurückgegangen.

Wieso Corona dem Klima nicht hilft

Als wir Rüdiger Hansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Frankfurt fragen, ob Corona dem Klima helfe, antwortet er mit einem ganz klaren „Nein!“. Er erzählt, dass die Klimaziele im Jahr 2020 zwar aufgrund von Corona erreicht worden seien, die Pandemie an sich und ihre positiven Auswirkungen auf die Umwelt aber keine langfristigen Auswirkungen auf das Klima haben würden. Das Erreichen der Klimaziele bis 2045 sei noch ein weiter Weg. Denn ginge Corona vorbei, würde es sehr wahrscheinlich in vielen Bereichen wieder weitergehen, wie zuvor. Hier sind sich Herr Hansen und auch Herr Wolfrum vom Umweltamt einig. Dies könne man bereits an den Unterschieden im Verhalten der Menschen in Zeiten von härteren und lockeren Lockdowns sehen.

Einige Dinge könnten sich nach der Corona-Zeit aber doch auch langfristig ändern. Herr Wolfrum sagt, dass sich nach der Corona-Pandemie möglicherweise mehr Leute dazu entscheiden könnten, im Homeoffice zu arbeiten, weswegen der Verkehr möglicherweise nicht wieder so wird, wie zuvor. Denn insgesamt zähle: „weniger Verkehr, weniger Schadstoffe“.

Allerdings hat die Corona-Pandemie auch negative Auswirkungen auf die Umwelt. Laut Herrn Hansen würden viele Menschen mehr wandern und die eigene Heimat erkunden, wodurch mehr Müll in die Umwelt gelange. Außerdem rückten durch die Corona-Berichterstattung in den Medien Aspekte wie das Insektensterben, die Grundwasser-Verunreinigung oder auch das Waldsterben in den Hintergrund. Herr Hansen geht aber davon aus, dass die Klimadiskussionen bald wieder in den Vordergrund treten werden.

Fazit: Corona hilft nur kurzfristig

Corona hilft der Umwelt zeitweise, jedoch nicht wirklich dem Klima. Klima bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und dieser wird durch die relativ gesehen „kurze“ Zeit der Corona-Pandemie sehr wahrscheinlich nicht nachhaltig beeinflusst. Das ist auch der Grund, warum die positiven Umweltaspekte von Corona nicht langfristig für das Klima gelten. Momentan sieht man zwar eine Veränderung im Verhalten der Menschen, doch ob bestimmte Verhaltensweisen nach der Corona-Pandemie anhalten, ist ungewiss. Vieles wird nach der Pandemie sicherlich wieder werden wie vorher, Menschen werden wieder mehr reisen und auch der Konsum wird wieder steigen. Deshalb müssen wir uns alle bewusster dazu entscheiden, dem Klima zu helfen und nicht darauf warten, dass dies von allein passiert.

Dies kann jeder Mensch tun

Eine Möglichkeit ist es, den Fleischkonsum zu reduzieren, denn durch die Haltungsform der Tiere wird Methan ausgestoßen, das klimaschädlich ist. Weniger Individualverkehr trägt ebenfalls zu einem besseren Klima bei. Anstatt mit dem privaten Auto viele Strecken hin und her zu fahren, sollte man häufiger auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Ein weiterer wichtiger Beitrag ist das Mitnehmen oder Aufheben von Müll, den man als Spaziergängerin oder Spaziergänger produziert oder findet. Denn der Müll verursacht viel mehr Schaden als man denkt. Schöne Grünflächen, aber auch das Grundwasser werden verschmutzt. Viele kleine Veränderungen führen langfristig zu einem Umdenken, was der Umwelt und vielleicht auch dem Klima helfen kann.