Wo gibt es Rassismus im Alltag?

von Aminata Niass, Attia Shakoor, Dimitrios, Güney Altay, Hamza Sultan, Naomi Amare, Noussaiba El Amin, Tashifa Bhatti undTaylin Lassey, 9a, Helene-Lange-Gymnasium

Rassismus ist immer noch ein großes weltweites Problem, sagt die 9a des Helene-Lange-Gymnasiums. Die Klasse will den Blick deshalb auf ihre Stadt Frankfurt am Main richten und das Thema Alltagsrassismus mit einer Umfrage und einem Interview näher beleuchten.  

Das Foto zeigt Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 5d der Helene-Lange Schule.


20 Passantinnen und Passanten haben wir in der Frankfurter Innenstadt befragt, ob sie selbst schon Rassismus erlebt haben. Wie unsere Recherchen ergaben, fühlen sich nicht-weiße Menschen oft diskriminiert. Sie geben an, täglich Alltagsrassismus zu erleben: in der Schule, im Berufsleben, bei der Wohnungssuche oder beim Einkaufen. Rassismus drückt sich nicht nur in physischer Gewalt aus, sondern auch verbal oder durch Mimik.

Diese Erfahrungen sind für viele Menschen trauriger Alltag, und sie rufen neben Ignoranz auch Trauer und Wut hervor. Die meisten erleben Rassismus im Privaten, manche auch in der Schule oder bei der Arbeit. Meistens begegnet ihnen Rassismus in Form von Beleidigungen. Eine Studentin hat zum Beispiel berichtet, dass sie auf dem Uni-Campus negativ auf ihr Kopftuch angesprochen und der Mann übergriffig wurde. Er habe versucht, das Kopftuch abzuziehen.

Wir haben auch ein Interview zum Thema geführt mit Aster Demeke. Sie ist 32 Jahre alt und Sozialpädagogin bei der Kommunalen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.

Haben Sie schon mal Rassismus erlebt?

„Ja. Dadurch, dass ich eine Frau bin und auch noch die schwarze Hautfarbe habe, ist es mir schon des Öfteren passiert.“

Auf welche Art und Weise haben Sie Alltagsrassismus erlebt?

„Schon von Kindesbeinen auf eigentlich. Beleidigungen wegen den äußeren Merkmalen, also man sieht es mir ja an, dass ich nicht „deutsch-deutsch“ bin, und es wurden Beleidigungen in Form vom “N-Wort” ausgesprochen. Auch “Mohrenkopf” hat man früher gesagt oder “N-Kuss”, welcher heute als Begriff für Schaumküsse geläufig ist. Es wurden oft Vergleiche damit gezogen.“

Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

„Im Grundschulalter war ich ein sehr impulsives Kind, dadurch habe ich, wenn ich nicht entspannt war und nicht ausgeglichen war, schon sehr impulsiv reagiert. Nach einer verbalen Beleidigung habe einmal in der Grundschule einen Mitschüler mit einer Schere beworfen, das war dann nicht so witzig. Ich habe ihn Gott sei Dank nicht getroffen, aber es war einfach am Limit, denn wenn du das tagtäglich mit erlebst dann fand ich das nicht mehr so witzig.“

Also haben Sie etwas dagegen unternommen?

„Habe ich. Aber heute ist es eher so, dass ich Rückfragen stelle, weil mir aufgefallen ist, dass es vielen Menschen gar nicht bewusst ist, was sie so manchmal sprachlich von sich geben. Ohne zu wissen, was es bei anderen für Verletzungen auslöst. Deswegen habe ich jetzt einen anderen Umgang gefunden und eine andere Distanz und Auseinandersetzung dafür.“

Wie reagiert ihr Umfeld darauf?

„Ich kann das eigentlich an meinem Team festmachen. Dadurch, dass ja nicht immer alles um meine Person stattfindet, weil ich ja im Jugendzentrum arbeite und es oft mitkriege, wie sprachlich Fehler begangen werden. Mir wird eigentlich sehr viel Verständnis entgegengebracht, viele wollen ja nicht rassistisch sein, sind es aber. Ich sage ja auch selbst manchmal Sachen, die nicht in Ordnung sind. Und ja, überraschend und beschämend reagieren manche. Kommt drauf an.“

Was tun Sie persönlich gegen den Rassismus?

„Ich persönlich tue ganz viel: Ich leiste Aufklärungsarbeit. Ich habe ja das Glück, hier arbeiten zu dürfen, sodass ich ganz viel hier auch in meinem Job machen kann. Privat gehe ich viel auf Demonstrationen gegen Rassismus, bin viel bei Podiumsdiskussionen dabei oder höre sie mir gerne auch an. Ich besuche auch Seminare oder Empowerment-Workshops, wo man sich im selben Kreis austauschen kann, um Aufsehen für die Themen zu gewinnen.“