Unsere Stadt

Hoch hinauf! Ein Besuch in der Falknerei auf dem Feldberg

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6d des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums haben die Falknerei auf dem Großen Feldberg besucht. Vom Besitzer und Falkner Christian Wick erfuhren sie Spannendes über Greifvögel und auch Frettchen.

Die Zootierpflegerin Justice Abendroth mit den Frettchen (linkes Bild) und der Besitzer und Falkner Christian Wick mit der Klasse 6d (rechtes Bild). Fotos: Susanne Battenberg

 

Es ist ein sonniger, aber kühler Frühlingstag, als wir uns früh morgens von Frankfurt aus Richtung Taunus auf den Weg machen. Richtig kalt wird es aber erst, als wir am Gipfel des Großen Feldbergs aus dem Bus steigen: Ein beißender Morgenwind bläst uns entgegen, aber es riecht nach Natur und der Gegensatz zur Stadt fühlt sich wie Urlaub an. Unser Ziel: Hessens älteste und höchstgelegene Falknerei.

Die beeindruckend hohen Sendemaste, die hier auf 880 Meter in den Himmel ragen, lassen zunächst allerdings nicht vermuten, dass sich etwas unterhalb dieser, in einem unscheinbaren mit Holz umfassten Gelände der Falkenhof versteckt.

Die Falknerei wurde 1965 gegründet

Wir finden den Eingang trotzdem. Sofort öffnet sich die Tür und wir werden freundlich begrüßt von einem sportlichen Mann Mitte 30. Er trägt Arbeitskleidung und ein Lederkäppi, das bereits einen Hinweis auf die Arbeit mit den Vögeln gibt. Es ist Christian Wick, der Eigentümer der Falknerei. Bevor wir durch den schmalen Gang an der Kasse vorbei über eine Matte zur Desinfektion der Schuhsohlen eintreten dürfen, informiert uns der sympathische Inhaber über wichtige Regeln auf dem Gelände. Was wir hinter dem Eingangsbereich sehen, haben die wenigsten von uns erwartet: Ganz friedlich liegt hier der Falkenhof, zu dem ein einstöckiges kleines Verwaltungs- und Wohngebäude, ein Freiluft-Klassenzimmer, eine Flugwiese und viele geräumige Vogelkäfige gehören, die man über verschiedene Kieswege erreichen kann. Gleich mehrmals hört man beim Eintreten ein staunendes „Wow“ aus unserer Gruppe.

Wir sind an diesem Morgen die einzigen Besucher der 1965 gegründeten Falknerei. Die Ruhe, die von dem Gelände ausgeht, wird nur unterbrochen durch vereinzelte Vogelrufe, durch das Knirschen des Kieses unter unseren Füßen und natürlich von uns selbst, weil wir uns unterhalten.

Die Liebe zu den Tieren merkt man Christian Wick an, sobald er von ihnen und seiner Arbeit erzählt: Seit dem 12. Lebensjahr hilft er bereits in der Falknerei; mit 25 konnte er den Hof als Inhaber übernehmen. „Mein Lieblingsort ist die Flugwiese oberhalb des Eingangs; dort lasse ich meine Vögel frei fliegen und habe einen wunderschönen Blick über Frankfurt“, schwärmt er. Diesen Blick kann auch jeder Besucher von hier aus genießen. Auf einfachen Holzbänken sitzen wir vor großen Informationstafeln, auf denen Greifvögel und verschiedene Flügelspannweiten in Originalgröße abgebildet sind und hören Christian Wick gebannt zu. Links davon liegt eine kleine Rasenfläche mit Holzhäuschen, an denen Freiflieger in der Anbindung stehen. Doch noch dürfen wir nicht zu den etwa 40 Greifvögeln, sondern hören interessante und für uns neue Informationen, z. B., dass die Vögel seit vielen hundert Jahren und auch heute noch zur Jagd eingesetzt werden. Der Falkenhof widmet sich auch der Pflege von kranken Greifvögeln. Da er sie auch züchtet, trägt sie zur Erhaltung des Uhu Bestandes in Deutschland bei.

Caesar und Cleopatra

Endlich dürfen wir auch zu den Vögeln und sehen Falken, Habichte, Adler, Geier und Eulen. Wir bleiben vor Uhu-Käfigen stehen und können aus nächster Nähe zwei schwarzgefiederte Falklandkarakaras, Caesar und Cleopatra, sehen. „Sie haben Löcher im Schnabel, damit sie auch beim Sturzflug noch atmen können“, erklärt Christian Wick. Währenddessen steht Michel fasziniert vor einem Plakat mit einer aufgemalten Flügelreichweite und breitet seine Arme davor aus, die die Reichweite der Flügel gerade so erreichen.

Süße Frettchen mit Kulleraugen

Als wir auch Frettchen zu sehen bekommen, sind wir überrascht, aber der Falkner und Zootierpfleger klärt auf: „Wir benutzen die Frettchen, um den Adlern bei der Jagd zu helfen, indem man sie in einen Kaninchenbau schickt, um die Kaninchen herauszutreiben, in die Sichtweite des Vogels.“ Die Frettchen hier heißen Timo, Pumba und Olaf. Timo und Pumba sind braun und man kann sie nur durch ihre verschiedenen Nasenfärbungen unterscheiden, da Timo eine helle Nase hat und Pumba eine dunkle. Olaf hingegen ist ein weißes Albino-Frettchen. Die drei sind zappelig und schnell und vor allem sehr süß mit den Kulleraugen und den kleinen, spitzen Ohren. Obwohl es Jagdtiere sind, nimmt fast jeder von uns die Einladung an, die beiden Raubtiere zu streicheln. „Sie sind so süß“, schwärmt Farbod und will gar nicht mehr weiter.

In stürmischen Nächten übernachtet Christian Wick in der Falknerei

Jeder findet einen anderen Käfig spannend. Immer wieder bleiben wir stehen, obwohl unsere Führung schon längst weiterläuft, beobachten die Vögel sehr genau und tauschen uns dazu aus. Viel zu kurz erscheint uns der Rundgang und als wir uns zur abschließenden Fragerunde wieder am Freiluft-Klassenzimmer versammeln, gehen fast alle Hände gleichzeitig nach oben. Was macht Christian Wick, wenn etwas auf dem Falkenhof passiert und er nicht vor Ort ist? Welche Tiere sind ihm am vertrautesten? Hat er alle Vögel selbst angeschafft? Yannis interessiert, was die Tiere gekostet haben und staunt, dass es manche Tiere gibt, für die 10.000 Euro ausgegeben wurden. Je seltener und je trainierter, desto teurer sei ein Vogel. Zeynep möchte wissen, ob der Falkner einen Lieblingsvogel hat. „Da mir die Falknerei gehört, habe ich meine Vögel bewusst ausgesucht. Aber natürlich gibt es welche, die ich lieber habe als andere, wobei: Ich habe sie alle lieb“, antwortete Christian Wick verschmitzt. Man merkt, dass er seine Arbeit liebt. In stürmischen Nächten übernachtet er vor Ort; dafür hat er in dem kleinen Gebäude sogar ein Bett stehen. Dass er sehr traurig war, als ihm ein vertrauter Vogel bei einem Fototermin davonflog, kann man gut nachfühlen. Viele andere Fragen beantwortet Christian Wick noch sehr offen und stillt so unseren Wissensdurst.

Als wir am Ende die Falknerei wieder über den schmalen Gang im Eingangsbereich verlassen, haben wir das Gefühl, etwas Besonderes gesehen zu haben. Zufrieden wandern wir bergab und tauchen eine Stunde später wieder in unser Großstadtleben ein.