Unsere Stadt

Von Epstein über die AfD bis zur Verkehrspolitik – Themenvielfalt aus dem Adorno-Gymnasium

Nerven E-Scooter? Wie sieht es mit der Verkehrspolitik in Frankfurt aus? Warum hat die AfD in östlichen Bundesländern solchen Zulauf? Welche neuen Enthüllungen gibt es durch die Epstein-Files? Welche Ergebnisse brachten die Tarifverhandlungen für den ÖPNV in Hessen? Wie hat ein Mann den Krieg in Bosnien und Herzegowina überlebt? Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9b und 9g des Adorno-Gymnasiums haben sich mit vielfältigen Themen auseinandergesetzt.

Foto: Medienagentur mct / Adina Jähn

 

E-Scooter: Praktisch oder einfach nur noch nervig? Von Marie-Sophie Wagner

E-Scooter gehören mittlerweile zum Stadtbild wie Ampeln oder Mülleimer. Überall sieht man sie herumstehen und man kann sie ganz einfach per App ausleihen. Eigentlich klingt das ja nach einer super Idee: Man ist schnell am Ziel, muss nicht auf den Bus warten und es macht auch noch Spaß, damit zu fahren. Aber wenn man sich einmal kurz umschaut, merkt man schnell, dass die Realität oft anders aussieht. Das größte Problem ist meiner Meinung nach die Rücksichtslosigkeit. Viele Leute stellen die E-Scooter, nachdem sie damit gefahren sind, einfach mitten auf den Gehweg oder werfen sie sogar um. Für Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen, Sehbehinderte oder ältere Menschen werden die E-Scooter so zu einer gefährlichen Stolperfalle. Ich finde es echt schlecht, wenn der eigene Komfort wichtiger ist als die Sicherheit anderer. Es geht nicht, dass der Weg so versperrt ist, nur weil jemand zu faul war, den E-Scooter ordentlich abzustellen. Außerdem wird oft gesagt, dass E-Scooter gut für die Umwelt sind. Aber ist das wirklich so? Die meisten Leute nutzen sie eher für kurze Strecken, die man sonst zu Fuß laufen könnte oder mit dem Fahrrad fahren könnte. Das spart also kein CO2 ein. Wenn man dann noch bedenkt, wie kurz die Batterien eigentlich halten und wie oft die E-Scooter kaputtgehen, ist die Ökobilanz gar nicht mehr so gut, wie man denkt. Ich finde, wir brauchen viel strengere Regeln. Es sollte feste Parkzonen geben und wer seinen E-Scooter einfach irgendwo hinschmeißt, muss eine kleine Strafe zahlen. E-Scooter sind an sich schon cool, aber nur, wenn sie nicht andere behindern.  Ein bisschen mehr Ordnung würde unseren Städten echt guttun!

Frankfurt: Bald unbefahrbar? Von Kolja, Anton und Lasse

Dass Verkehrspolitik schon seit vielen Jahren zu einem großen Streitpunkt in der Kommunalpolitik in Frankfurt am Main ist, ist sicherlich jedem bewusst. Auch, dass es schlechter wird und dass die Probleme anscheinend keine Lösung finden, ist auch kein Mysterium. Doch wir stellen uns jetzt die Frage: Wird es besser? Können die Ergebnisse der neuen Kommunalwahl Frankfurt noch etwas verbessern? Die stark unterschiedliche Sichtweise in den Parteien bringt nur noch mehr Konflikte und Spannung in die Situation. Die CDU vertritt eine sehr autofokussierte Politik und als Nebenziel hat sie sich den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel gesetzt. Dass die CDU mit so einem Ziel, welches man in den letzten Jahren eher weniger gesehen hat, gewinnen konnte, zeigt, dass die Leute klar Veränderungen sehen wollen und dass das Vertrauen in die bisherige Politik zumindest teilweise verloren gegangen ist. Die FDP setzt sich für Ähnliches ein, hat jedoch nur 4,6 % der Stimmen erhalten. Natürlich gibt es auch noch Leute auf der anderen politischen Seite. So haben die Grünen mit ca. 20% der Wähler die zweitmeisten Stimmen bekommen. Diese Partei setzt sich sehr stark gegen Autos und Autoverkehr ein und will mehr Fahrräder und Umweltfreundlichkeit. Auch kleinere Parteien wie ÖkoLinx setzen sich für mehr Umweltfreundlichkeit ein. Die Linken sind zwar nicht ganz so stark, aber sie bewegen sich ebenfalls eher in eine umweltfreundliche Richtung. Doch diese fokussieren sich eher auf ÖPNV und weniger auf Autos, anstatt auf Fahrräder und umweltbewusste Verkehrspolitik. Dann gibt es aber auch Parteien wie die SPD, die sich stark weg von einer Art des Verkehrs und mehr auf Bezahlbarkeit und Kombination sowie Ausbau aller Verkehrsmittel konzentrieren. Dieser Ansatz scheint vielen Wählerinnen und Wählern zu gefallen, da die SPD 16,6 Prozent der Stimmen für sich erkämpfen konnte. Wir sehen also: Es gibt viele unterschiedliche Herangehensweisen und Ansichten zur Verkehrspolitik in Frankfurt - unter diesen muss doch sicherlich etwas Richtiges dabei sein. Und ja, diese gibt es. Und zwar: Alle diese Ideen sind an sich gut und würden funktionieren, aber das tun sie nicht. Frankfurt hat nämlich kein Ideen- oder Richtungsproblem, wenn es um Verkehrspolitik geht. Stattdessen hat die Politik der Stadt Frankfurt ein Problem mit der Umsetzung. Einfach eine andere Partei zu wählen, die andere Versprechen eigentlich gleich macht, wird nichts ändern. Was wichtig ist, ist, dass man wirklich beginnt, etwas von der Politik zu verlangen und dass die Politik mal wirklich etwas macht. Bevor wir uns die Frage stellen, was genau wir brauchen, müssen wir etwas tun. Denn all diese Dinge können Leuten helfen, aber man muss sie tun. Natürlich sind einige Probleme dringender als andere und vielleicht ist eine Sache wichtiger. Aber all diese Ansätze und Ideen würden irgendwelche Probleme für irgendjemanden verbessern. Aber wenn wir das nicht tun, wird Frankfurt bald wirklich unbefahrbar.

Rekordwerte für die AfD: Der rechte Trend in Ostdeutschland von Ferdinand, Lukas, Otto und Visar

In aktuellen Umfragen von Infratest dimap erreicht die AfD in Sachsen-Anhalt nahezu 40 Prozent der Stimmen. Das würde den bisher höchsten jemals gemessenen Wert der Partei in einem deutschen Bundesland darstellen. Das zeigt einen enormen politischen Trend zu rechten Parteien. Die AfD gewinnt in Deutschland zunehmend an politischer Bedeutung. Sollte die AfD tatsächlich ein solches Ergebnis erreichen, könnte sie ihren Einfluss im Landtag von Sachsen-Anhalt deutlich ausbauen. Besonders da mehrere andere Parteien nach den derzeitigen Umfragen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnten. Die Sitze im Landtag würden sich dann auf weniger Parteien verteilen. So könnte die AfD einen noch größeren Anteil der Mandate erhalten, als es ihr Stimmenanteil zunächst vermuten lässt. Ein so hoher Stimmenanteil würde den politischen Einfluss der Partei in Sachsen-Anhalt erheblich verstärken. Vor allem in ostdeutschen Bundesländern, in denen die AfD in den vergangenen Jahren an Zustimmung gewonnen hat, könnte ein solches Ergebnis die politische Entwicklung zusätzlich wesentlich beeinflussen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, warum die Partei besonders in Ostdeutschland so stark wächst. Obwohl dort der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund vergleichsweise gering ist. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in ostdeutschen Bundesländern geringer als in den meisten westdeutschen Ländern. Gerade Sachsen-Anhalt weist nach Mecklenburg-Vorpommern sogar den zweitniedrigsten Migrationsanteil in Deutschland auf. Zusammenfassend heißt das, dass die AfD hier nach aktuellen Umfragen einer ihrer größten bisherigen Wahlerfolge bevorstehen könnte. Das könnte alle weiteren politischen Wahlen und Ereignisse im Sinne der Partei möglich machen.

Wie steht es um die Epstein-Files? Von Kai Wendel, Vincent Jolic, Vincent Schlotfeldt und Malte Stork

Die Veröffentlichung der Akten hat den Druck auf zahlreiche Regierungen erheblich erhöht, mögliche Verbindungen zu Jeffrey Epstein und seinem Umfeld transparent zu machen. Oppositionsparteien fordern umfassende Untersuchungen und werfen einigen Behörden vor, in der Vergangenheit nicht konsequent genug ermittelt zu haben. Gleichzeitig sehen sich politische Entscheidungsträger gezwungen, öffentlich Stellung zu beziehen, um Vertrauensverluste in der Bevölkerung zu begrenzen. Besonders heikel ist dabei der Umgang mit indirekten Kontakten, die juristisch schwer einzuordnen sind, politisch jedoch große Wirkung entfalten können. In vielen Ländern ist die Aufklärung inzwischen zu einem zentralen innenpolitischen Thema geworden. Neben den politischen Folgen hat die Veröffentlichung auch eine intensive gesellschaftliche Diskussion ausgelöst. Viele Menschen hinterfragen, wie es möglich war, dass ein derartiges Netzwerk über so lange Zeit bestehen konnte. Im Fokus steht dabei die Rolle von Macht und Einfluss, die möglicherweise dazu beigetragen haben, strafbares Verhalten zu verschleiern oder zu relativieren. Aktivisten und Betroffeneninitiativen sprechen von strukturellen Problemen, die über den Einzelfall hinausgehen. Die Debatte reicht daher weit über die Person Epstein hinaus und betrifft grundlegende Fragen von Gerechtigkeit, Verantwortung und Kontrolle in modernen Gesellschaften. Die Veröffentlichung der Epstein-Files hat weltweit starke Reaktionen ausgelöst. Besonders in Europa wächst der Druck auf die Politik, den Fall genauer zu untersuchen. Länder wie Norwegen haben bereits einen Untersuchungsausschuss eingesetzt, um mögliche Verbindungen zu prüfen. Auch in anderen europäischen Ländern wird über ähnliche Schritte diskutiert. Mehrere EU-Politiker fordern, dass Europol eingeschaltet wird, da es sich um ein internationales Netzwerk handeln könnte. Während einige Länder schnell handeln, bleibt Deutschland bisher zurückhaltend. Insgesamt zeigt sich, dass der Fall längst nicht mehr nur die USA betrifft, sondern zu einer internationalen politischen Angelegenheit geworden ist. Sollten bislang unbekannte Dokumente, Zeugenaussagen oder Verbindungen zu weiteren beteiligten Personen ans Licht kommen, könnten Behörden gezwungen sein, frühere Entscheidungen zu hinterfragen. Besonders betroffen wären Fälle, die aufgrund von mangelnden Beweisen eingestellt wurden oder bei denen mögliche Beteiligte nicht ausreichend untersucht wurden. Eine solche erneute Prüfung könnte dazu beitragen, Fehlurteile zu korrigieren und weitere Verantwortliche zu verurteilen. Gleichzeitig sind die langfristigen gesellschaftlichen Folgen dieser Veröffentlichungen jedoch unklar. Die Enthüllungen könnten das Vertrauen der Bevölkerung in politische Mächte und einflussreiche Persönlichkeiten nachhaltig beeinflussen. Vor allem wenn sich Zeichen von Vertuschung ergeben. Darüber hinaus könnten sie eine breitere öffentliche Debatte über Transparenz, Machtmissbrauch und Verantwortlichkeit auslösen. Dennoch lässt sich derzeit schwer abschätzen, wie tiefgreifend und dauerhaft diese Auswirkungen sein werden und ob sie letztendlich zu umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen führen. In den Dokumenten tauchen unter anderem Bill Clinton und Donald Trump auf, ebenso wie Andrew Mountbatten-Windsor (vormals Prince Andrew), der schon länger mit dem Fall in Verbindung gebracht wird. Donald Trump wird in den Epstein-Unterlagen als früherer Bekannter von Jeffrey Epstein erwähnt. In den Epstein-Files werden auch Fotos von Donald Trump gezeigt, in denen er mit Minderjährigen posiert. Bill Clinton wird in den Unterlagen genannt, unter anderem wegen gemeinsamer Reisen, wobei er jede Kenntnis von illegalen Aktivitäten abstreitet.

Einigung in der Tarifrunde TV-N Hessen von Eray Zeybek, Ilia Donskoi, Felix Rombach

In der Nacht zum 17.03.2026 haben die Gewerkschaften ver.di Hessen (ver.di), dbb beamtenbund und tarifunion, Landesbund Hessen e.V. (dbb) und der Kommunale Arbeitgeberverband Hessen e.V. (KAV) sich in der Tarifrunde 2026 für ÖPNV in Hessen auf einen Kompromiss geeinigt. Der Kompromiss enthält unter anderem eine verbesserte Entgeltordnung, insbesondere Sonderzuschläge und eine Verhandlungsverpflichtung im Notfall. Allerdings gilt es bis zum 30.04.2026 eine Erklärungsfrist, durch die sich beide Parteien vorbehalten, abzusagen. Ver.di will während der Osterferien eine Mitgliederbefragung durchführen und danach wird die Tarifkommission über das Tarifergebnis entscheiden. Die Tarifkommission zeigt sich mit der Vereinbarung zufrieden. Die vereinbarten Punkte im Vergleich zu den Forderungen lauten wie folgt: Forderungen von ver.di:

1) Eine einheitliche Übernahmeregelung wird von Arbeitgeberseite – wird erfüllt

2) Eine Verhandlungsverpflichtung in drohendem Verlust von Verkehrsleistungen – wird erfüllt

3) Eine Berechnung der Zuschläge für Überstunden sowie für die Arbeit in der Nacht, an Sonnabenden, an Sonntagen, an Feiertagen und Vorfeiertagen entsprechend der eigenen Entgeltgruppe – wird in drei Schritten erfüllt: Ab 2027 gilt die Entgeltstufe 4 für Beschäftigte in den Stufen 4, 5 und 6, ab 2029 die Stufe 5 für Beschäftigte der Stufen 5 und 6 und ab 2031 dann die Stufe 6 für Beschäftigte der Stufe 6.

4) Eine Übernahme der Stufe im Falle eines Gruppenaufstiegs – wird erfüllt, jedoch wird die Stufenlaufzeit in der neuen Stufe neu beginnen.

5) Eine Ballungsraumzulage für alle Mitarbeiter – Dabei einigten sich die Arbeitgeber und die ver.di auf eine Ballungsraumzulage für die Städte ab 70.000 Einwohnern, wovon die Beschäftigten in Marburg und Gießen profitieren.

6) Die Ergänzung der Entgeltordnung für die nicht 2024 aktualisierten Bereiche – wird erfüllt, sodass ab dem 01.07.2026 die neuen Regelungen in Kraft treten

7) Ein zusätzlicher Urlaubstag – wurde abgelehnt

8) Erhöhung der Leistungsbudgets auf 2% – Eine Erhöhung auf 1,25% wurde vereinbart.

9) Schicht- und Wechselschichtzulage für alle Beschäftigtengruppen. – wurde abgelehnt

Forderungen der Arbeitgeberseite:

1) Das Recht, die Zulage für Mitarbeitergewinnung mit zukünftigen Tariflohnerhöhungen zu verrechnen. – wurde angenommen

2) Eine Laufzeit bis 2030 für den MTV – Eine Laufzeit bis 2029 wurde vereinbart.

3) Eine Laufzeit bis 2035 für die Entgeltordnung – Eine Laufzeit bis 2031 für die F-Gruppe und eine Laufzeit bis 2034 für den Rest der Entgeltordnung wurde vereinbart.

4) Bereitschaft für Gespräche über Veränderungen bei den Regelungen zum Krankengeldzuschuss – wurde abgelehnt

Die Tarifrunde hat bereits am 13.01.2026 mit ver.di, dem KAV und dbb mit ver.dis Forderungen, die von einer Umfrage bestimmt worden waren, begonnen. Beim ersten Gespräch hat der KAV laut ver.di zwar „eine generelle Verhandlungsbereitschaft signalisiert“, aber „auf die klamme Finanzlage und die hohen Kosten des Forderungskataloges hingewiesen“ und bei den Forderungen 5 und 7 abgesagt. Ver.di hat trotzdem erläutert, sie erwarteten die Verhandlungsbereitschaft, über diese beiden Themen zu reden. „Insbesondere die Verhandlungen zur Entgeltordnung wurden in der letzten Tarifrunde noch nicht beendet.“ Die zweite Tarifrunde hat am 29.01.2026 wie in manchen Bundesländern ohne Ergebnis stattgefunden und deswegen hat ver.di für den 02.02.2026 bundesweit zum Streik gerufen. An den folgenden Tagen wurde die Tarifrunde weitergeführt, wo die Arbeitgeberseite ein von ver.di beschriebenes „Gift-Angebot“, indem die neuen Bedingungen schlechter als die Alten waren, präsentiert hat. Laut ver.di hatte es sich angefühlt, als ob sie sich annäherten, aber kurz vor dem Schluss hatte die Arbeitgeberseite ein Angebot vorgelegt, das sie auf keinen Fall annehmen konnten. Am 24.02.2026, ein Tag vor dem nächsten Termin, wurde wieder gestreikt und für den 27.02.2026 und den 28.02.2026 weitere Streiks angekündigt, was vom KAV harsch kritisiert wurde. Am 25.02.2026 haben sich die beiden Parteien wieder getroffen, obwohl es zu keinem Ergebnis gekommen ist. Es gab laut dem KAV eine große Annäherung bei einem der wichtigsten Punkte und erhöhte Chancen, bei der nächsten Runde am 16.03.2026 zum Schluss zu kommen. Tatsächlich ist dies auch passiert.

Erinnern, um nicht zu vergessen von Lejla Suljkanovic

Am 6. April 1992 wurde Bosnien und Herzegowina von serbischen Soldaten angegriffen. Ab dem Zeitpunkt ging die Zersplitterung des ehemaligen Jugoslawiens weiter. Bei diesem Krieg starben ungefähr 100.000 Menschen, darunter 8.000 Opfer allein beim Massaker in Srebrenica. Die Menschen die es überlebt haben, können zwar weiterleben, kämpfen jedoch bis heute mit ihren Traumata. Einer der Überlebenden wird seine Eindrücke mit uns teilen. Er möchte jedoch anonym bleiben. Als erstes berichtet er, dass er mit seiner Familie bei seinem Vater zu Hause war. Sein Vater stürmte ins Haus und sagte, dass serbische Soldaten Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, angegriffen hätten. Daraufhin seien der Überlebende, seine Kinder und seine Frau nach Hause gegangen und hatten sich im Keller versteckt. Er habe dann Flugtickets nach Belgrad gebucht, damit seine Familie so schnell wie möglich das Land verlassen konnte. Jedoch musste er in Kozarac, der Stadt, in der er damals lebte, zurückbleiben, weil Männer zwischen 18-60 Jahren nicht fliehen durften. „Wir haben tagelang kein Essen und Trinken bekommen, wurden aber jeden Tag gefoltert.“ Der Mann versteckte sich in seinem Keller bis serbische Soldaten sein Haus bombardiert und ihn gefunden hatten. Die Soldaten nahmen ihn mit und brachten ihn in ein Konzentrationslager. Dort wurde er ungefähr ein Jahr lang gefoltert. Es waren alles muslimische Männer, die gefangen genommen wurden. Sie haben tagelang keine Nahrung bekommen. Als sie dann Nahrung bekamen, war das Essen so heiß, dass man es nicht essen konnte. Sie hatten dann nur zwei Minuten Zeit, um zu essen. Im Sommer mussten sie sich oberkörperfrei auf den heißen Betonboden legen, während die Soldaten auf ihnen herumliefen. Natürlich wurden die Männer jeden Tag brutal geschlagen. Nach einiger Zeit wurden die Männer in Busse gebracht. Sie sollten in ein anderes Lager gebracht werden. Das Rote Kreuz wollte aber die Gefangenen retten. Das wollten die Serben verhindern. Im Bus ging ein Soldat herum und schlug jeden Gefangenen, bis er seinen Namen gesagt hatte. „Ich dachte das wird mein Tod sein“, berichtet der Überlebende. Bei ihm war nicht nur das Problem, dass er ein Muslim war. Sondern auch sein Name war ein Problem, weil viele Menschen seinen Namen kannten. Und das bedeutete im Krieg früher praktisch der Tod. Im Bus mussten sie die Köpfe gesenkt halten. Als der Soldat beim Überlebenden ankam und auf ihn einschlug, sagte er seinen Namen und der Soldat kannte ihn. „Ich hatte Glück, weil er einer der Guten war.“ Der Soldat tötete ihn nicht. Er half ihm zu überleben. Als der Soldat merkte, dass er den Mann kannte, ließ er nicht zu, dass andere serbische Soldaten den Bus stürmen konnten. Der Überlebende zitiert den Soldaten: „Nur über meine Leiche werdet ihr diesen Bus betreten.“ Daraufhin wurden sie in ein Konzentrationslager gebracht. Dort wurden sie erneut gefoltert. Dann fand das Rote Kreuz heraus, dass es dieses Konzentrationslager gab und befreiten die Gefangenen. Als der Überlebende das Konzentrationslager verlassen hatte, fand er heraus, dass seine Familie nach Deutschland geflohen war und fuhr ebenfalls dorthin. Dort angekommen, sah er nach über einem Jahr seine Familie wieder. „Ich konnte mich endlich wieder sicher fühlen.“ Sie bauten sich ein neues Leben in Deutschland auf. Das war mit vielen Hürden verbunden. Doch, „wenn wir den Krieg überlebt hatten, würden wir auch das schaffen“. Selbst als der Krieg beendet war, kehrten sie nicht zurück nach Bosnien und Herzegowina.